Die zweite Chance

Vorgeschichte
Das schrille Piepen des Weckers riss Leonora aus dem Schlaf. Die aufgehende Sonne tauchte die 160.000 Einwohnerstadt Geelong in der Nähe von Melbourne Australien in ein rotgoldenes Licht. Benommen taumelte Leonora ins Badezimmer, blickte in den Spiegel, betrachtete die schwarzen Ringe unter ihren blauen Augen und begutachtete kritisch ihr langes, blondes, zerzaustes Haar.

„So kann das nicht weitergehen“, wünschte sie sich eine Veränderung ihrer Lebenslage und ahnte nicht, dass dieser Tag ihr Leben für immer verändern sollte.

Nachdem sie sich frisch gemacht hatte, ging sie in die Küche, rührte sich einen löslichen Kaffee an und trank ihn hastig. Sie schlüpfte in ihre Jeansjacke und klopfte an die Tür des Kinderzimmers.

„Felice? Stehst du auf? Ich muss jetzt gehen.“

Leise öffnete sie die Tür und blickte das dreizehnjährige Mädchen an, oder viel mehr, das was von ihr zu sehen war. Schwarze, lange Haare bedeckten das Kopfkissen, unter der Decke schauten nur die Nasenspitze und die blauen Augen hervor.

„Mom, ich bin müde“, antwortete das Mädchen verschlafen.

„Oh nein, Felice. Bitte geh heute in die Schule. Du bist diese Wochen nur zwei Mal dort gewesen“, flehte Leonora ihre Tochter an.

„Ich werde es versuchen, Mom“, krächzte Felice verschlafen.

„Okay, Liebes. Wir sehen uns heute Mittag“, verabschiedete sich Leonora mit mulmigem Gefühl. Felices Persönlichkeit war mittlerweile so stark geworden, dass Leonora das Gefühl hatte, der Mutterrolle nicht mehr gerecht werden zu können. Vielleicht hätte sie auch härter durchgreifen können, aber sie hatte Angst, sich ihre Tochter zum Feind zu machen, und das wäre das Letzte, was sie wollte.

Nervös schaute sie auf die Uhr, eilte aus dem Haus und lief die Straße hinunter.

„Guten Morgen, Mister Fonda“, grüßte sie ihren Chef, während sie das Restaurant betrat.

„Morgen, Miss Donovan“, grüßte dieser zurück, „beginnen sie gleich mit den Frühstücksvorbereitungen?“

„Klar doch.“ Leonora tauschte ihre Jeansjacke gegen eine Kittelschürze aus und ging in die Küche.

Sie kochte Eier ab, bereitete eine riesige Pfanne Rührei mit Speck vor, setzte Kaffee und Tee an und schnitt Brote auf. Danach bereitete sie Tomatensalat vor, füllte die Milchkännchen und Zuckerdöschen auf.

Schon kamen die ersten Gäste von der Papierfabrik gegenüber, die täglich dort ihr Frühstück einnahmen. Mister Fonda bewirtete die Gäste persönlich und lief zwischen Küche und der Gaststube hin und her. Schnell wurde das Restaurant immer voller, immer mehr Brote, Rührei, Tomatensalat wurde gebraucht. Leonora hetzte in der Küche hin und her, um den Ansturm zu bewältigen. Kaum war es ruhiger geworden, kamen auch die Büroangestellten der Fabrik zur Frühstückspause. Dann ging es wieder von vorne los. Gegen 10 Uhr wurde es ruhiger, und nur noch wenige Gäste saßen beim Frühstück. Restaurantbesitzer Mister Fonda kam in die Küche.

„Und? Alles Okay bei Ihnen, Miss Donovan?“

„Ja, danke“, antwortete Leonora und fing an, die Salate fürs Mittagessen zu waschen.

Mister Fonda kochte die Mittagsmenüs und Leonora erledigte dabei die Nebenarbeiten, wie Zwiebelschneiden, Salatdressing vorbereiten, und ähnliche Arbeiten.

Gerade als sie fertig waren, kamen wie jeden Tag die ersten Gäste zum Mittagessen. Das Restaurant füllte sich allmählich immer mehr. Leonora nahm die Bestellungen entgegen, richtete die Teller her und Mister Fonda brachte diese wieder an die Tische. Erst gegen 2 Uhr am Mittag wurde es wieder ruhiger. Leonora zog ihre Schürze aus. „Dann bis nachher um 5 Uhr, wenn wir die Abendessen vorbereiten“, verabschiedete sie sich.

Mister Fonda stopfte sein graues Haar unter die Kochmütze. „Ich muss heute Abend mit ihnen reden, Miss Donovan.“ Seine Miene war ernst.

Leonora hatte kein gutes Gefühl. „Was ist mit Ihnen. Sie wirken so besorgt? Gibt es eine schlechte Nachricht?“

„Wie man‘ s nimmt“, antwortete Mister Fonda geheimnisvoll.

„Sind Sie mit meinen Leistungen unzufrieden?“, war Leonora entsetzt.

„Nein, im Gegenteil, darum möchte ich Ihnen ein Angebot machen.“

„Welches Angebot?“, wurde Leonora neugierig.

„Leider muss ich jetzt das Essen vorbereiten. Wir sprechen heute Abend in aller Ruhe, wenn das Restaurant geschlossen ist“, hielt er sie hin.

Leonor verließ das Restaurant mit gemischten Gefühlen. „Er hat weder eine gute, noch eine schlechte Nachricht? Was kann das sein?“

Als sie wieder in die Wohnung zurückkehrte, saß Felice vor dem Fernseher. „Hi, Mom.“

„Hallo, Schatz. Wie war die Schule?“, grüßte sie ihre Tochter.

Felice schmunzelte. „Ich habe es leider nicht geschafft, vielleicht gehe ich Morgen zur Schule.“

Leonora spürte einen Schmerz in der Magengegend. „Du weißt, wie wichtig die Schule für deine spätere Ausbildung sein wird?!“

„Ich denke, das wird überbewertet“, entgegnete Felice.

„Mit schlechten Noten kannst du keine Ausbildung antreten“, erklärte Leonora und hoffte auf Einsicht.

„Was hat es dir gebracht?“, fragte Felice grimmig, „du bist gelernte Zahnarzthelferin und arbeitest als Küchenhilfe?!“

Das verletzte Leonora sehr. „Das mache ich doch nur, damit ich mittags zu Hause bin.“

„Ja, von 2 bis um 5 Uhr, damit du deine Hausarbeit erledigen kannst“, konterte Felice hart.

„Wegen dir. Es würde dir bestimmt nicht gefallen, wenn ich von morgens bis abends außer Haus wäre?!“

„Und wenn schon? Übrigens hatte ich mir zum Mittagessen ein paar Pommes in die Fritteuse geworfen“, wechselte Felice das Thema.

„Okay, ich mache mich an die Hausarbeit“, ließ Leonora von ihr ab.

Sie putzte die Wohnung und bügelte die Wäsche. Die Zeit verrann wie jeden Tag viel zu schnell. Leonora trank eine Tasse Kaffee und musste wieder zur Arbeit.

„Bis heute Nacht“, rief sie ins Wohnzimmer.

„Gute Nacht“, kam die Antwort monoton, wobei Felice den Fernseher nicht aus den Augen ließ.

Leonora wünschte sich, dass Vater Phil endlich mal mit seiner Tochter reden würde, um sie zu Vernunft zu bringen. Doch wer soll es ihm sagen? Leonora war sich viel zu Stolz dafür. Sie hatte Phil vor zwölf Jahren verlassen, seitdem holte er seine Tochter jeden Monat für einen Sonntag ab, um mit ihr etwas zu unternehmen. Er konnte ja nicht ahnen, wie es um sie steht.

Leonora kam ins Restaurant, zog wieder ihre Schürze an und half Mister Fonda bei der Essenvorbereitung. Erst am späten Abend gegen elf Uhr war alles fertig und die Küche wieder sauber. Mister Fonda schloss die Tür ab, setzte sich an einen der Tische und breitete Papiere darauf aus. „Kommen Sie, Miss Donovan?“

Leonora setzte sich zu ihm. „Was gibt es für eine Nachricht?“

Er drückte ihr ein Prospekt in die Hand, welches sie sich gleich ansah. „Neuseeland?“

Der Chef lächelte. „Ja.“

„Was hat das zu bedeuten, Mister Fonda?“

„Ich möchte Sie bitten, mit mir nach Neuseeland zu ziehen, um dort als Küchenhilfe weiter für mich zu arbeiten“, bot er ihr an.

„Sie besitzen in Neuseeland auch ein Restaurant?“

Mister Fonda schüttelte den Kopf. „Noch nicht, aber sehr bald.“

„Was wird aus diesem Restaurant?“, interessierte sich Leonora.

„Das ist die schlechte Nachricht. Es wird geschlossen“, hörte sie ihn, wie aus weiter Ferne sagen.

„Ich kann nicht mit nach Neuseeland“, lehnte sie ab, „Felice würde ihren Vater nie mehr wiedersehen.“

„Stimmt! An Ihre Tochter hatte ich gar nicht gedacht. Das tut mir sehr leid. Nächste Woche ist hier jedenfalls Schluss.“

„Sie hätten mir das früher sagen müssen“, warf Leonora ihrem Chef vor, „schließlich werde ich jetzt arbeitslos!“

„Tut mir leid, ich wollte Sie überraschen und war mir sicher, Sie würden mich begleiten“, entschuldigte sich Mister Fonda.

„Da haben Sie falsch gedacht!“

Als Leonora niedergeschlagen nach Hause kam, saß Felice immer noch vor dem Fernseher. Leonora war sehr froh darüber, so hatte sie wenigstens jemanden, mit dem sie reden konnte.

„Stell dir vor, ich werde arbeitslos. Mister Fonda wandert nach Neuseeland aus und wird das Restaurant ab nächste Woche schließen“, klagte sie ihr leid.

Felice nahm ihre Mutter tröstend in die Arme. „Das wird wieder, Mom.“

„Wenn ich nichts finden, können wir die Miete nicht bezahlen und werden bald auf der Straße sitzen.“

„Das ist mir bewusst, Mom. Wenn es hart auf hart kommt, ziehen wir eben zu Grandma und Grandpa“, schlug Felice vor.

Leonora strich ihrer Tochter eine schwarze Strähne aus dem Gesicht. „Soweit darf es nicht kommen, Schatz. Grandma und Grandpa haben selbst kaum genügend Platz für sich und ihren Hund.“

Felice sah die verzweifelte Miene ihrer Mutter. „Mach dir keine Sorgen, ich bin auch noch da. Du bist nicht alleine, Mom. Rede mit der Bank.“

„Mit der Bank? Was können die denn für uns tun?“, wunderte sich Leonora.

„Die könnten uns einen Kredit geben, der reicht, bis du wieder einen Job gefunden hast. Wir könnten mit dem Kredit die Miete von 400 Dollar im Monat bezahlen, hätten unsere 200 Dollar Arbeitslosengeld zum Leben und du würdest nur 300 Dollar im Monat Tilgung bezahlen, was du mit Daddys Unterhalt hinbekommen könntest. Wenn du eine Arbeit gefunden hast, kannst du den Kredit abzahlen.“

Leonora wusste, wie schwer es werden würde, bei der derzeitigen Wirtschaftslage wieder einen Job in Geelong zu finden und fand Felices Vorschlag sehr gut, um nicht zu sagen, die einzig richtige Entscheidung.

„Danke, Felice. Ich gehe gleich am Montag zur Bank“, freute sich Leonora auf den gefundenen Ausweg, auch wenn sie noch gar nicht wusste, ob sie das Geld überhaupt bekommen wird.

 

 

Der Familienausflug
Zehn Monate danach hatte sich einiges geändert. Es war früh am Morgen in der 13.000 Einwohnerstadt Port Augusta in Südaustralien.
 „Auf geht’s“, rief Leonora ins Kinderzimmer.
Felice drehte sich um, sah ihre Mutter mit zusammengekniffenen Augen an. Ihr schwarzes, langes Haar war zerzaust und klebte an ihrem Kopf.
„Bist du gestern wieder zu lange wach gewesen?“, fragte Leonora ihre Tochter, „du weißt, Fred sieht das nicht gerne.“
„Mir reicht es mit diesem Fred. Ich will, dass wir endlich wieder ausziehen“, fauchte Felice.
„Er ist gut für uns“, widersprach Leonora.
„Findest du es gut, dass er mir ständig Vorschriften macht und jedes Mal meine Hausaufgaben kontrolliert?“, wurde Felice lauter.
„Sei doch vernünftig, er kann uns ein besseres Leben bieten, als wir uns je leisten könnten“, erklärte Leonora ihrer Tochter.
„Darauf würde ich gerne verzichten. Ich mag ihn nicht!“, knurrte Felice.
„Du redest Unsinn, Felice. Ich hoffe, du wirst dich heute benehmen, jetzt steh endlich auf!“, befahl Leonora streng.
Genervt zog Felice die Augenbrauen hoch. „Ich komme, Mom!“
Wie sehr hasste Felice diese Samstage, die Bankdirektor Fred, der Freund ihrer Mutter „Familientag“ nannte. Jede Minute, die sie mit diesem Mann verbringen musste, so glaubte sie, kostete sie eine Stunde ihres Lebens. Wenn sie nur an sein rundes Gesicht mit den schmalen Augen und der goldumrahmten Brille mit den dicken Gläsern und an seine mit Haargel zurückfrisierten Haare dachte, spürte sie Wut in sich aufsteigen. Er hatte ihr alles kaputtgemacht, seit sie vor acht Monaten mit ihrer Mutter in sein Haus gezogen war. Ihr ganzes Leben ruiniert. Was hatte sich ihre Mutter nur dabei gedacht, sich einen acht Jahren älteren Mann zu angeln? Nur weil er Geld hat? Ja, gewiss. Sie hatte selbst gesagt, Fred könnte ihnen ein besseres Leben bieten, das sie wegen ihrer Arbeitslosigkeit nur mit dem Unterhalt vom Vater nicht bieten kann. Die Idee mit dem Kredit zur Überbrückung der Arbeitslosigkeit hätte genauso gut geklappt, war Felice sicher. Nein, sie musste ja gleich mit dem Bankdirektor eine Beziehung eingehen.
 
Leonora war damals wegen des Kredites zur Bank gegangen und musste zur Bankzentrale ins tausend Meilen entfernte Port Augusta fahren, wo auch Felices Vater lebte.
Dort lernte sie Bankdirektor Fred kennen, der die Situation schamlos ausnutzte und im Gegenzug für einen Kredit mit ihr essen gehen wollte.
Notgedrungen ließ sich Leonora darauf ein. Zu dem Kredit kam es nicht, weil Fred seine Unterstützung anbot. Der Mann hatte sich ihr förmlich aufgedrängt, was Leonora in der Notlage gerne annahm.
Anfangs spielte Fred für Felice noch den höflichen Ersatzvater, spendierte ihr Eis, Pommes, eine Handtasche, Schuhe und neue moderne Kleidung. Nach und nach versuchte er, Felice umzukrempeln, ihr Regeln aufzuerlegen, wann sie ins Bett zu gehen hätte, wie sie sich zu benehmen hätte, und dass sie für die Schule besser lernen soll, damit sie ihre schlechten Noten verbessern würde. Insgeheim musste Felice zugeben, dass er nicht ganz unrecht hatte. Trotzdem hatte er nicht das Recht, Felice Vorschriften zu machen. Bei Freds wöchentlichen Besuchen konnte sich Felice noch zusammenreißen.
 Als sie aber vor acht Monaten nach Port Augusta umgezogen, und bei ihm eingezogen waren, wurde es Felice zu viel und sie konnte sich nicht mehr widerstandslos Freds Regeln unterwerfen, fing an zu widersprechen. Fred beharrte auf seinen Regeln, versuchte Felice zu verändern, und dafür hasste sie ihn abgrundtief.
Der Familientag, so wie er es nannte, war für Felice nur der Idiotentag, weil sie diesen Tag mit Idiot Fred verbringen musste. Die Sonntage hingegen waren ein besonderes Highlight, weil sie diese mit ihrem Vater verbringen durfte, der sich mit seiner Meinung bezüglich der Beziehung zwischen ihrer Mutter und Fred vor Felice zurückhielt.
Selbst die wärmenden Sonnenstrahlen, die an diesem Morgen durch das Fenster in ihr Bett fielen und das modern eingerichtete Schlafzimmer erhellten, konnten Felices Wohlbefinden nicht steigern. Widerwillig stieg sie aus dem Bett, um sich dem Schicksal des Familientages unter Vorbehalt zu fügen. Noch ahnte sie nicht, wie sehr ihr heutiger Widerstand ihr Leben für immer verändern wird.
Mutter Leonora ging inzwischen nach unten ins Esszimmer und setzte sich zu Fred, der in seiner Zeitung vertieft war, an den Tisch.
Zweifellos sah sie, wie ihre Tochter unter Fred leiden musste. Wie konnte sie so egoistisch sein, bei einem Mann einzuziehen, den ihre Tochter nicht mochte? Wie konnte sie es zulassen, dass dieser Mann Felice Befehle erteilt? Aber was hätte sie sonst tun sollen? In Port Augusta war Felice näher bei ihrem Vater, außerdem hatten sie mehr Geld, auch wenn es eigentlich Freds Geld war.
Leonoras Gedanken wurden unterbrochen, als Felice ins Esszimmer kam und sich zu Fred und ihr an den Tisch setzte.
Fred senkte die Zeitung und lugte darüber hervor. „Guten Morgen, meine Liebe!“, grüßte er im vorwurfsvollen Tonfall.
„Ja“, antwortete Felice mürrisch.
Leonora schüttelte über das Benehmen ihrer Tochter den Kopf. „Reiß dich ein bisschen zusammen, ja? Schließlich ist heute unser Tag!“
„Euer Tag“, schmollte Felice und schenkte sich heiße Schokolade ein.
Mutter Leonora schaute Fred krampfhaft lächelnd an. „Was hast du für heute geplant?“
„Golf, Museum und Kirchenbesichtigung“, erklärte er gereizt.
„Na toll, vielen Dank. Ich freue mich schon sehr darauf“, spottete Felice.
„Sie ist in einem schwierigen Alter“, entschuldigte sich Leonora bei ihrem Freund.
„Sucht nur den Fehler bei mir!“, fauchte Felice wütend und biss ebenso aggressiv in ihr Brötchen.
„Glaub ja nicht, ich würde mich von dir fertigmachen lassen, Fräulein“, knurrte Fred Felice an.
„Glaub du nicht, du könntest mich fertigmachen, alter Mann“, fauchte sie zurück.
„Felice!“, mahnte Leonora mit erhobener Stimme ihre Tochter.
Fred nippte an seiner Kaffeetasse. „Du wirst mir eines Tages noch dankbar sein, Fräulein!“
„Dass du mir das Leben versaut hast?“, konterte Felice und beobachtete mit Genuss, wie sich Freds Gesicht rot färbte.
„Felice, wir wollen doch nur dein bestes“, fügte Leonora hinzu, um die Lage zu entschärfen.
„Gut“, rief Felice falsch grinsend, „dann lasst mich einfach in Ruhe!“
Fred stand vom Tisch auf. „In zehn Minuten fahren wir, schau, dass du bis dahin am Auto bist!“, forderte er streng.
„Und wenn nicht?“, provozierte Felice.
„Wenn nicht, wirst du die Konsequenzen tragen müssen!“, drohte die Mutter.
„Oh, jetzt habe ich aber Angst vor euch!“, erwiderte Felice mit gespielt ängstlicher Stimme.
Dennoch stand sie auf und ging nach oben, um sich auf den Ausflug vorzubereiten.
„Es tut mir leid“, entschuldigte sich Leonora bei Fred für ihre Tochter.
„Ich hoffe nur, sie vermiest uns nicht wieder den ganzen Tag mit ihrer schlechten Laune“, knurrte Fred.
„Vielleicht solltest du etwas vorsichtiger mit ihr umgehen?“, riet Leonora.
„Wie meinst du das? Sollen wir ihr denn alles erlauben?“, erhob Fred die Stimme.
„Nein. Nur vielleicht in einem anderen Ton mit ihr reden.“
Fred lachte laut. „Klar, du kennst dich ja bestens mit Kindererziehung aus, sonst hättest du mir nicht so ein Prachtexemplar ins Haus gebracht.“
„Du kannst sehr verletzend sein, ist dir das bewusst?“, war Leonora gekränkt.
„Es tut mir leid“, entschuldigte sich Fred, „mir ist es manchmal echt zu viel.“