Leidenschaftliche Entführung

Prolog

Ein sanfter Wind erzeugte am Dachgepäckträger des Landrovers, der auf dem Parkplatz des Shoppingcenters stand, ein dumpfes Grollen. Der Himmel war samtig schwarz und sternenklar. Mit einem lauten Zurren zog der 42 jährige Automechaniker Charly Benson die Handbremse an, bevor er die Autotür öffnete. Er war gerade auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Im Supermarkt wollte er sich eine Kleinigkeit zum Essen mitnehmen, bevor er in sein leeres Haus am Stadtrand von Rockyvillage zurückkehren wollte.

Wenige Meter vor ihm parkte ein roter Mercedes, an dessen Kofferraum gerade eine Frau stand, die ihre Einkäufe einräumte. Charly schaute sie an. Er erkannte, dass es sich um Elisabeth Clarkson, die Frau des reichen Fabrikanten, Alan Clarkson, handelte. Charly kam ein Gedanke, er begann zu zittern. Immer wieder fuhr er sich mit der Hand durch sein dunkelbraunes glänzendes Haar, bis er schließlich tief einatmete, und die Taschenlampe aus dem Handschuhfach holte. Er steckte sie unter seine Jacke, stieg aus dem Wagen, und lief genau auf die 38 jährige Miss Clarkson zu. Als diese den Mann neben sich bemerkte, erschrak sie.

Mit weit aufgerissenen Augen schaute sie ihn an.

Charly zeigte ihr die Ausbeulung in der Jacke, die durch die Taschenlampe verursacht wurde, zeigte mit dem Kopf auf seinen Geländewagen und knurrte: „Los, geh da rüber, setze dich auf den Rücksitz, sonst schieße ich!“

Elisabeth Clarkson hielt schützend ihre zitternden Hände vors Gesicht, fing an zu weinen, aber lief wie befohlen zu Charlys Wagen, wo sie sich auf den Rücksitz setzte. Charly nahm seinen Schal und verband ihr die Augen. Dann aktivierte er die Kindersicherung der Hintertüren, schlug die Tür zu, und fuhr mit seiner Geisel nach Hause.

Während der Fahrt ließ seine Nervosität langsam nach und er konnte wieder klarer denken: „Nein! Was habe ich getan?“

Miss Clarkson riss ihn aus seinen Gedanken. „Warum tun Sie das?“ fragte sie in unpassend ruhiger Tonlage.

„Ich brauche das Geld für die Operation meiner Oma, die mich aufgezogen hat. Die Krankenkasse übernimmt das nicht, weil es ein zu riskanter Eingriff wäre in ihrem Alter. Selber kann ich es nicht aufbringen. Ich verdiene nicht gerade viel und habe über die Jahre mein ganzes Geld in das Haus investiert“, antwortete er unsicher, als wenn er ihr Rechenschaft schuldig wäre.

Wie konnte es nur so weit kommen? Der an sich ruhige schüchterne Mann ist zu einem Entführer, ja, zu einem kriminellen, geworden. Den ganzen Tag waren seine Gedanken damit beschäftigt, wie er wohl das Geld für die teure Operation seiner geliebten Oma aufbringen könne. Als seine Eltern damals bei dem Flugzeugunglück ums Leben kamen, nahm sie ihn bei sich auf. Sie war wie eine Mutter für ihn. Nun, wo die Oma im Krankenhaus lag, war das Haus so leer und einsam. Auch wenn sie schon 93 Jahre alt war, sterben durfte sie nicht. Das wollte Charly nicht zulassen. Alle Möglichkeiten hatte er durchdacht, aber keine Entführung oder sonstige derart kriminelle Handlungen. Es war eine Kurzschlussreaktion, die ihn dazu getrieben hatte. Ausgelöst durch die Aussichtslosigkeit seiner Oma helfen zu können. Kredite wurden abgelehnt, Nebenjobs hatte er keine gefunden. Aber eine Entführung? Nein! So etwas wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Schließlich wurde er von seiner Oma gut erzogen und wusste was sich gehörte und was nicht.

Elisabeth schluchzte: „Warum gerade ich?“

Charly wurde es sehr unbehaglich, er spürte ein Drücken in der Magengegend und zog seine Augenbrauen zusammen. „Es tut mir leid, es war mehr oder weniger Zufall.“

Jetzt hätte er am liebsten angehalten, die Frau freigelassen, wäre dann nach Hause gefahren, als ob nichts geschehen wäre. Das war leider nicht so einfach. Er wusste, es gab kein zurück, auch wenn er seine Tat längst bereut hatte.

 

**

 

Kapitel 1
 

 

Wenig später fuhr er in die Hauseinfahrt und parkte das Auto in der Garage. Er stieg aus, schloss das Garagentor von innen und führte seine Geisel durch die Durchgangstür zwischen Garage und Haus. Ohne Gegenwehr ließ sich Elisabeth, mit verbundenen Augen, von ihrem Entführer durch das Haus in die Kellerwohnung führen. Charlys Wohnung im Kellergeschoss sollte sich als das Gefängnis seiner Geisel bewähren, während er das Erdgeschoss, in dem normalerweise seine Oma lebte, bewohnen wollte. Vorsichtig führte er Elisabeth die Stufen hinunter, dann nahm er ihr den Schal von den Augen. Lichtempfindlich kniff sie ihre braunen Augen zusammen. Sie musterte den Wohnraum. Er war ausgestattet mit einem Bett, einem Sofa und einem Fernsehgerät.

Mit zitterndem Finger zeigte Charly auf die rechte Tür am Ende des Raumes. „Dort befindet sich das Badezimmer.“

Dann zeigte er auf die Tür daneben. „Da ist die Küche, aber ich werde Sie natürlich selbst versorgen.“

Elisabeth wirkte inzwischen, eigenartigerweise, sehr ruhig und gelassen. „Bin ich Ihre erste Geisel?“

„Natürlich! Ich bin ein anständiger Mensch!“ rief Charly, um sich zu verteidigen.

Als Elisabeth ihn misstrauisch und ironisch anblickte, korrigierte er sich: „Bis heute Abend jedenfalls, war ich ein anständiger Mensch.“

Am Klang von jedem Wort, das er sagte, konnte man sein Bedauern hören. Elisabeth ließ sich auf der grünen Samtcouch nieder und musterte den Raum. Ihr Gesichtsausdruck war wie versteinert, ihr Blick war leer.

Bei Charly bildeten sich vor Aufregung Schweißperlen auf der Stirn, die von seinen dunklen buschigen Augenbrauen gebremst wurden. Ratlos stand er da und überlegte, wie er sich denn wohl als Geiselnehmer zu verhalten hätte.

Plötzlich fiel ihm ein: „Ich muss noch einmal zurück zum Supermarkt, ich habe nichts zu essen gekauft.“

Er ging die Treppe hinauf. „Ich schließe die Tür ab.“

Er wartete vergeblich auf eine Bestätigung, seiner Worte, von Elisabeth.

 

**

 

Als Charly auf den Supermarktparkplatz einfuhr, war der Mercedes von Elisabeth bereits verschwunden. Ängstlich schaute er sich um, ob vielleicht irgendwo die Polizei auf ihn lauern könnte. Nein! Nichts! Es war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Nervös ging er in den Supermarkt und holte Hähnchen mit Pommes. Dann fuhr er wieder zu seinem Haus. Als er die Kellerwohnung betrat, saß Elisabeth immer noch auf der Couch. Sie wirkte apathisch. Charly stellte ihr eine Portion Essen auf den Tisch.

„Guten Appetit“, sagte er höflich. Immer noch überlegte er, wie er aus dieser Sache ungeschoren wieder herauskommen könnte. Unsicher, unter den Blicken von Elisabeth, verschwand er über die Stufen nach oben in die Erdgeschosswohnung.

„Ich könnte Walter anrufen!“ dachte er und ging zum Telefon.

Walter war sein bester Freund. Er war verheiratet. Im Gegensatz zu Charly war Walter weniger schüchtern. Charly war da nicht so mutig. Mit seinen 42 Jahren hatte er bisher erst eine Beziehung. Diese bestand aber nur aus Küssen, und überdauerte nur wenige Wochen. Er war immer noch Jungfrau. Je älter er wurde, desto größer wurde auch seine Angst, auf diesem Gebiet aktiv zu werden. Schließlich hatte er nie die Gelegenheit Erfahrungen zu sammeln. Er wusste nicht, was eine Frau von einem Mann in seinem Alter erwarten würde. Die Angst, danach als Versager bezeichnet zu werden, war größer als der Wunsch nach einer Partnerin. Sein Freund, der 26 jährige Walter arbeitete selbstständig, freiberuflich für die Kfz-Werkstatt, in der Charly als Automechaniker tätig war. Er programmierte die Steuereinheiten der Fahrzeuge, und darin war er sehr gut. Walter war ein richtiges Superhirn.

„Wenn mir einer helfen kann, dann er“, sagte Charly zu sich selbst.

Er sah ihn als seine einzige Lösung an und war bereit alles zu tun, was er ihm empfehlen würde. Auch wenn er sich der Polizei stellen sollte.

Er nahm das Telefon und rief ihn an.

„Was ist los? Du klingst so aufgeregt.“ stellte Walter am Telefon fest.

Charly hielt zitternd den Telefonhörer, seine Hände schwitzten vor Aufregung.

„Ich kann es dir am Telefon nicht erklären. Bitte komm schnell“, bat er mit zittriger Stimme.

Wenige Minuten später traf Walter in Charlys Haus ein.

Besorgt legte er ihm seine Hand auf die Schulter. Entsetzt stellte er fest, dass Charly am ganzen Körper zitterte.

„Erzähl, was ist Schlimmes passiert, dass du so nervös bist? Hat es etwas mit deiner kranken Oma zu tun?“

„Nein! Ich habe einen schlimmen Fehler gemacht und weiß nicht weiter“, antwortete Charly, setzte sich auf den Sessel, schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen.

Walter wunderte sich. „Was es auch ist, wir regeln das schon. Erzähl!“

Er setzte sich auf den Sessel gegenüber von Charly, stützte die Ellenbogen auf die Knie und schaute Charly neugierig an.

„Du weißt doch, dass ich das Geld für die Operation meiner Oma nicht aufbringen konnte und mir die ganze Zeit eine Lösung überlegt hatte.“

„Ja und? Hast du eine Bank überfallen?“, scherzte Walter.

„Nein, ich habe keine Bank überfallen.“

„Hast du jemanden entführt?“ scherzte Walter weiter.

Charly schaute Walter Hilfe suchend an.

Walters Miene verfinsterte sich. „Oh mein Gott! Du hast tatsächlich jemanden entführt?“

„Ja, Elisabeth Clarkson“, antwortete Charly, und hätte dabei vor Scham im Boden versinken können.

„D i e Elisabeth Clarkson? Die Frau von Alan Clarkson dem Fabrikanten?“

„Genau die. In meiner Kellerwohnung sitzt sie.“

„Was hast du dir dabei gedacht?“ fragte Walter vorwurfsvoll und war sehr verärgert.

Charly war fix und fertig und rieb sich mit beiden Händen das Gesicht.

Walter fasste sich wieder. „Ok, wie soll es jetzt weitergehen?“

„Ich will dich da nicht mit reinziehen, aber ich hoffte, dass d u mir das sagen könntest.“

„Ich kann das nicht glauben! Jetzt soll ich für dich die Entführung managen?“

„Wenn du mir sagst, ich soll sie freilassen, dann lasse sie sofort frei und stelle mich der Polizei.“

„Natürlich nicht! Hast du das Lösegeld schon angefordert?“

„Nein! Bis jetzt habe ich sie nur in den Keller gebracht und ihr etwas zu essen gegeben.“

„Wie ist sie drauf?“ wollte Walter wissen.

„Komisch! Sie reagiert nicht und wirkt geistesabwesend“, erklärte Charly.

„Was hast du erwartet? Dass sie sich freut, dich zu sehen? -Naja, immer noch besser, als wenn sie herumschreien oder randalieren würde“, bemerkte Walter.

„Was soll ich machen?“ fragte Charly erneut.

„Hat sie dein Gesicht gesehen?“

„Ja, voll und ganz.“

Walter schüttelte den Kopf. „Rufe Mister Clarkson an und verlange Lösegeld“, forderte Walter auf.

„Danke Walter, das werde ich dir nie vergessen“, bedankte sich Charly.

Dann nahm er das Telefonbuch, suchte die Nummer heraus. Anschließend nahm der den Telefonhörer ab und wollte wählen.

„Hey, was hast du vor?“ rief Walter, sprang von seinem Sessel auf, drückte auf die Telefongabel.

Irritiert schaute Charly ihn an. „Was? Ich rufe Mister Clarkson an, so wie du es gesagt hast.“

Walter kniff die Lippen zusammen. „So einfach ist das nicht. Was, wenn er deine Telefonnummer sieht? Was wenn er die Polizei bereits verständigt hat und die eine Fangschaltung eingebaut haben? Noch keine 5 Minuten, dann würdest du im Gefängnis sitzen.“

Charly wirkte hilflos. „Was soll ich machen?“

„Lass mich an deinen PC, ich werde dir eine anonyme Telefonleitung freischalten, die man nicht zurückverfolgen kann. Dann brauchst du auch ein anonymes Konto, auf das Mister Clarkson das Lösegeld überweisen soll.“

Charly war Walter für seine Hilfe sehr dankbar. Er zeigte auf den Laptop, der auf dem Wohnzimmerschrank stand. „Vielen Dank Walter, wenn ich dich nicht hätte. Ich will dich aber in nichts reinziehen.“

Walter winkte ab, lächelte ironisch. „Das hast du schon, als du mich angerufen hast. Ich stecke mitten drin!“

Dann stellte er den Laptop auf den Tisch und begann in die Tasten zu hämmern.

 

**

Kapitel 2
 

 

Ungeduldig saß Charly daneben und verfolgte das Treiben am PC. „Kann ich irgendetwas tun?“

Walter tippte konzentriert weiter, ohne Charly dabei anzuschauen, sagte er: „Ja, du kannst mir einen Kaffee anbieten. Könntest auch mal nachschauen, was deine Geisel macht.“

„Ok, mache ich.“

Charly ging zur Küche und kochte Kaffee. Dann brachte er Walter eine Tasse, mit einer zweiten Tasse ging er in den Keller zu Elisabeth. Er war sehr erleichtert, als er sah, dass sie das Hähnchen, sowie die Pommes aufgegessen hatte. Sie hatte es sich auf der Couch gemütlich gemacht. Entspannt lag sie da und las ein Buch, das sie sich aus dem Regal geholt hatte. Es war ein Liebesroman „Liebe durch Zufall“ hieß er.

Als Elisabeth ihn anschaute, wurde er verlegen. „Das … das ist ein Roman meiner Oma. Der gehört nicht mir.“

Dann stellte er ihr die Tasse auf den Tisch. „Ich weiß, es ist schon nach zehn Uhr. Trotzdem möchten Sie eine Tasse Kaffee?“

Elisabeth wirkte immer noch etwas abwesend, aber sie antwortete: „Danke, ja. Ich kann sowieso nicht schlafen heute.“

Charly war so froh über die Reaktion von Elisabeth, dass er fast vergaß, dass es sich bei ihr um seine Geisel handelte und e r der Entführer war. „Warum können Sie nicht … Tut mir leid, dass ich das Ihnen antue.“

Er schaute sie an und hatte tatsächlich auf eine Antwort gehofft. So wie: „Ach, das ist schon OK“, oder: „Das macht doch nichts, dass Sie mich entführt haben“. Natürlich hoffte er vergebens. Dennoch gab sie ihm eine Antwort, die ihn erschrecken ließ.

„Das ist mir egal“, sagte sie, vertiefte sich dann wieder in ihrem Buch.

Charly dachte: „Ihr ist es egal? Was hab ich nur getan?! Ich habe diese Frau an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht! Sicher wird sie bis an ihr Lebensende etwas davontragen.“

„Ich werde jetzt wieder nach oben gehen, wo ich Ihren Mann anrufe, damit er das Lösegeld überweist, damit Sie schnellst möglich wieder freikommen“, erklärte er. Er hoffte, dass dies wie ein Trost oder eine Entschuldigung wirken könne, was es zu seinem Bedauern aber nicht tat.

„Vergessen Sie es! Keinen Cent wird Mister Clarkson an sie bezahlen“, sagte Elisabeth zum Verwundern Charlys.

Als er nach oben kam, hatte Walter die Arbeit erledigt. Die Telefonleitung, so wie das anonyme Konto, war mittlerweile freigeschaltet. Walter gab Charly den Zettel mit den Kontodaten in die Hand.

„Diese wirst du Mister Clarkson geben, damit er das Lösegeld überweisen kann. Setze ich hier an den PC und klicke auf diesen Button, dann bekommst du die Telefonverbindung mit Mister Clarkson und kannst mit ihm reden.“

Charly hätte sich am liebsten übergeben, so aufgeregt war er. Er gehorchte, wenige Minuten später stand die Verbindung zu Mister Clarkson.

„Hören Sie mir genau zu. Ich habe Ihre Frau und will Lösegeld!“

Mister Clarkson: „Sonst w a s?“

Charly musste überlegen und schaute Walter an. Der machte eine Handbewegung an seiner Kehle.

„Sonst … sonst werde ich ihr wehtun.“

„Wie viel?“ fragte Mister Clarkson überraschend gelassen.

„21 000 Dollar. Überweisen Sie das Geld sofort auf folgendes Konto …“, forderte Charly und nannte die Nummer des anonymen Kontos.

Walter zog die Augenbrauen hoch, als er den Betrag hörte. Es war genau der Betrag, was die Operation der Oma kostete.

Charly gab die Bankverbindung des anonymen Kontos durch und sagte dann: „Denken Sie dran! Es wird…“

Durch ein klickendes Geräusch wurde die Verbindung unterbrochen.

„Was ist passiert?“ fragte Charly verwundert.

Walter schaute auf das Verbindungsprogramm im PC: „Mister Clarkson hat den Hörer aufgelegt.“

Charly konnte es nicht fassen und suchte nach einer Erklärung: „Sicher, weil er sofort das Geld überweisen möchte und keine Zeit verlieren will.“

Walter stimmte ihm zu: „So muss es gewesen sein. Mein Job ist hier erst einmal erledigt, oder? Wenn du mich brauchst, dann weißt du ja, wo du mich findest. Wir sehen uns am Montag in der Werkstatt, falls du zur Arbeit kommst.“

„Natürlich muss ich zur Arbeit kommen. Alles andere wäre zu auffällig.“

Walter verabschiedete sich und fuhr nach Hause.

 

 

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Es war bereits schon 1 Uhr in der Nacht. Charly konnte nicht an Schlaf denken. Er war viel zu nervös. Seine Gedanken kreisten um seine Geisel, die ihm sehr leid tat. Er beschloss, dass er ihr Gesellschaft leisten sollte, sie auch über den aktuellen Stand der Lösegeldanforderung informieren sollte. Daraufhin ging er in die Kellerwohnung, setzte sich auf den Sessel gegenüber von Elisabeth. Immer noch lag sie auf der Couch und las. Sie hob kurz ihren Blick, dann versank sie wieder in ihrem Buch.

„Ich habe angerufen und das Lösegeld angefordert“, sagte Charly.

Elisabeth antwortete, ohne ihren Blick aus dem Buch zu heben: „Er wird nicht zahlen!“

„Wieso? Es sind nur 21.000 Dollar, die er zahlen soll“, sagte Charly verunsichert.

„Nur 21.000 Dollar?“ wunderte sich Elisabeth, legte das Buch zur Seite. Fragend schaute sie Charly an.

„Das, ist der Betrag, den ich für die Operation meiner Oma benötige.“

„Trotzdem wird er nicht bezahlen! Es wäre ihm sogar recht, wenn Sie mich töten würden“, antwortete Elisabeth mit Tränen in den Augen.

„Was reden Sie für einen Unsinn? Ich werde Ihnen nichts tun“, antwortete Charly erbost.

„Was haben Sie mit mir vor, wenn er nicht bezahlen wird? Wollen Sie mich dann laufen lassen?“ fragte sie ironisch.

„Ja, natürlich. Ich werde Sie dann einfach laufen lassen und ins Gefängnis gehen“, antwortete Charly und senkte seinen Kopf.

„Ich werde sowieso die Entführung verantworten müssen. Aber erst wenn die Operation meiner Oma gelaufen ist.“

„Denken Sie, es wird ihrer Oma vielleicht gefallen, was Sie da tun?“

„Natürlich nicht. Das mit der Entführung tut mir leid, das war eine Kurzschlussreaktion von mir. Das hatte ich nie geplant. Ich hoffe, dass die Sache so schnell wie möglich beendet ist. -Wenn sie Hunger oder Durst haben, dann finden Sie etwas in der Küche, falls ich einmal nicht da bin.“

„Wessen Wohnung ist das hier?“

„Meine. Sie steht Ihnen voll zur Verfügung, während Ihres Aufenthalts. Sie können alle Räume benutzen.“

Elisabeth sagte ironisch: „Sehr großzügig von Ihnen. Es wäre schöner, wenn es richtige Fenster gäbe, zum Lüften!“

Charly musste über diese Bemerkung grinsen. „Ja, damit Sie fliehen könnten.“

„Vielleicht würde ich gar nicht versuchen zu fliehen“, antwortete Elisabeth zu Charlys Erstaunen.

„Ich werde wieder nach oben gehen und versuchen zu schlafen. Sie können auch gerne den Fernseher einschalten, wenn Sie das möchten. Fühlen Sie sich wie zu Hause. Wenn Sie etwas brauchen, dann klopfen Sie einfach an die Tür, ich schlafe oben auf der Couch, damit ich Sie höre.“

„Ich nehme Sie beim Wort“, antwortete Elisabeth.

Charly ging nach oben, legte sich auf das Sofa direkt neben die Tür zur Kellerwohnung. Nach der Unterhaltung mit Miss Clarkson fühlte er sich bedeutend besser. Schnell schlief er ein.

 

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